Entfremdung – und das beim Essen!

Mai 16, 2011 at 6:31 pm (Gedanken)

Löwenzahnsirup, guter Käse, selbstgemachte Pasta, Appel-Birne-Quitten-Saft, Marmelade, ein dicker Burger nach Wahl, Pralinchen, ein schönes Steak, rohe Fische an Reis

😉

JA, Essen ist toll!

Es hat aber auch eine politisch-gesellschaftliche Ebene.

Wir haben wenig Zeit um unser Essen selber zuzubereiten und zu erfahren  deshalb greifen wir gerne auf schnell kochbare Produkte zurück*. Damit entfremden wir uns aber gleichzeitig von der Produktion unseres Essens (ein fertiger Hamburger im Kühlregal erfordert noch nicht mal, dass das Hack gebraten oder gegrillt wird)

Der gleiche Mechanismus, der in der Arbeitswelt Fuß gefasst hat, trifft jetzt auf einen Komplex, welcher absolut logisch ist wenn man die Mechanismen überträgt…

Mein Thema ist immer noch die Entfremdung.

Da wir in der Arbeitswelt vom tatsächlichen Produkt unserer Arbeitskraft weitgehend entfernt sind, lernen wir nur über die finanzielle Belohnung ob wir etwas gut oder schlecht geleistet haben. Der Aspekt des Stolzes auf eine gute Arbeit, wie gering sie von anderen auch geschätzt werden mag, vergessen wir. Dieses Bewusstesein wir von uns auch nach aussen getragen.

(Leseempfehlung: Sennett)

Genau dieser Mechanismus beeinflusst uns wenn wir Pfannkuchen in der Schüttelflasche oder Pasta im Kochbeutel kaufen…

Noch eine Leseempfehlung unter diesem Aspekt: Weber…

__________________

Anmerkungen:

1. abersowasvondisclaimer: Gewürzmischungen, TK-Gerichte und Fertigessen sowie Lieferservices sind eine tolle Sache,  für letzteres liebe ich die Großstadt. die Aspekte passen aber auch in das Feld von Entfremdung und Dienstleistungsgesellschaft…

edit: Rechtschreibfehler korrigiert/neuer Link

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10 Kommentare

  1. David von Schewski said,

    Ja, Entfremdung könnte auch ein Synonym von „Vereinfachung“ sein. In dem beständigen Bestreben unser Leben zu vereinfachen wird eine Neuerfindung nach der anderen auf den Markt geschleudert, alles wird einfacher und schneller. Der Nachteil von all dem ist auch tatsächlich eine Entfremdung von sich selbst, da man sich selbst kaum noch erfährt, erlebt. Depressionen wären weitaus weniger verbreitet, wenn alle Menschen um 4 Uhr aufstehen und aufs Feld müßten und nicht vor 21 Uhr zurück sind und all das nur, um halbwegs und mit ach und Krach überlegen zu können. Kaum 100 Jahre ist es her, dass so noch der Alltag aussah.

    • muetzenmaedel said,

      wirklich Vereinfachung? Oder wird eine Absatzmöglichkeit geschaffen, die das bedient, was uns oft unangenehm ist? Also, dass das Schnitzel nicht eingeschweisst vom Himmel fiel? Die Menschen wollten schon immer ihr Leben vereinfachen. Nur, dass ihre Kreativität und Produktivität ohne Sinn bleibt, führt meiner meiner Meinung nach zu einen Gefühl der Entfremdung…
      und eben dieses Sinngefühl hatten viele Leute wenn sie zu unmöglicher Zeit aufstanden und arbeiteten aber danach IHR Werk in den Händen hatten – ihr Gemüse, ihr Fleischanteil etc…
      frage ich mich

  2. David von Schewski said,

    Hm, interessante Frage. Etwas plump umgedeutet müßte das doch heißen, dass Büroangestellte eher zu Depressionen neigen als Bauern. Oder?

    • muetzenmaedel said,

      Hmmmmh, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, der Bauer ist mit seiner Arbeit sicher zufriedener oder unzufriedener als der Büroangestellte. Er ist am Ergebnis näher dran und da sind Erfolg und Misserfolg auch näher. Depressionen haben ja durchaus auch noch weitere Ursachen, tendentiell würde ich Dir da zustimmen (sehr vorsichtig, weil zu Depressionen andere Faktoren hinzukommen)

  3. David von Schewski said,

    Hm…ja, dann könnte es aber, da ja dem Bauern zum Beispiel die Ernte auch missraten kann, auch sein, dass Büroangestellte es besser haben als Bauern, oder? Die machen ihren Job und wenn es irgendwo ganz oben mal „schlechte Bilanzen“ gibt ist das so abstrakt, dass es nicht direkt runterzieht. Wobei, da kann ich mir selbst schon widersprechen, sowas führt natürlich zu einem neutralen, nahezu empfindungslosen Leben, ganz nahe am großen Gefühl von Egal.

    • muetzenmaedel said,

      neutrales Leben: Eben!

      kurz zum Thema Entfremdung:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Entfremdung

      (Marx – ich weiß)

      Ich kann und will nicht werten was besser ist, das muss jedeR für sich entscheiden; womit die Person glücklich wird (ich will auf keinen Fall von Sonnenauf- bis untergang auf einem Feld rackern)

      Es mag dem Büroangestellten leichter erscheinen, da keine unmittelbaren Konsequenzen zu befürchten sind – oder zu abstrakte Konsequenzen beim Fehler (Enrlassung, Abmahnung etc)
      Für ihn als Mensch ist es allerdings genau dieser Zwiespalt, er fühlt sich unwohl mit dem Ergebnis – er ist ein Teil! Schreibtischtäter irgendwie!

      Und an diesen Mechanismen verzweifeln Menschen…

  4. David von Schewski said,

    Ich würde gar nicht mal sagen, dass Du bei all dem so falsch liegst. Aber die Begrifflichkeit „er ist ein Teil“ müssen wir ja alle Leben, Bauer wie Büroangestellter. Nimm die Milchpreisdiskussion. Ja, ich melke mir die Finger wund und am Abend hab ich 50 Eimer Milch, was toll ist. Da, wo ich das weiße Gut aber verkaufen muss, trete auch ich als Bauer ein in die Welt des Abstrakten. Ich kann Weltmeister im Melken sein – wenn am anderen Ende der Republik die Supermarktketten meinen Gewinn nach unten ziehen, bringt mir auch der allabendliche nette Anblick der Milch wenig bis nichts. Im Gegenteil, ich fühle die Ohnmacht, dass alle Anstrengung zu gar nix führt.

  5. muetzenmaedel said,

    Das ist durchaus wahr – wir alle sind ein Teil des Systems, welches durch Arbeitsteilung Entfremdung hervorruft.
    Nur wenige, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, Milchbauern verkaufen ihre selbst hergestellte Milch in der Kanne auf dem Wochenmarkt. Umgekehrt ekelt sehr viele der Gedanke daran, wo die Milch eigentlich herkommt und diese Vorstellung führt dazu, dass die Nahrungsmittel – etwas, das m.E. doch sehr nah am Menschen ist, abstrakter wird.

    Ich plädiere nicht dazu, dass wir morgen alles losziehen um Kaninchen zu schlachten. Es ist aber schade, dass die Marktmechanismen so stark auch beim Essen zum tragen kommen.

  6. David von Schewski said,

    Na, also dafür bin ich dann doch zu nah an deiner Position, um das Wort „schade“ stehen zu lassen. Einigen wir uns auf „tragisch“?;-)

    • muetzenmaedel said,

      Wie diplomatisch 😉

      Ja, auf tragisch trifft es durchaus. Einklassisches Dilemma eben…

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