Aufschrei

Januar 27, 2013 at 4:35 pm (Uncategorized)

BildDieses Wochenende hatte es wirklich in sich. Nach der Veröffentlichung von Brüderles Bemerkung an eine Journalistin des Sterns, schrieben viele Menschen unter den hashtag #aufschrei über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismen.

Diese Debatte hat mir wirklich so sehr das Wochenende versaut. Zu lesen, was anderen Menschen passierte (denn auch Männer sind von Sexismus betroffen) aber auch die Relativierungen, Rechtfertigungen und plumpen Kommentare einiger zog mich sehr runter.

Edit: hier ist eine gute Seite, die das Ausmaß von Belästigungen zeigt.

 

Ist es wirklich zu viel verlangt, einander respektvoll zu begegnen? Der Dirndl-Spruch ist kein ungeschickter Flirtversuch sondern eine Unverschämtheit. Da bringt Leisure Suit Larry bessere Sprüche!

Ich wollte noch sehr viel mehr schreiben aber andere haben mal wieder viel besser zusammengefasst, was ich sagen will (eine Sammlung von Blogposts zum Thema):

„Mädchen wird beigebracht, daß Jungs eben so sind und man besser den Kopf senkt, sich wegduckt, dem Stress aus dem Weg geht, drüber lacht, es abperlen lässt, sich keine aufreizenden Klamotten anzieht, keine kurzen Röcke, keine tiefen Ausschnitte, denn die suggerieren den Männern, dass Frauen es doch wollen, daß sie alle Schlampen sind, daß sie selber Schuld haben „wenn etwas passiert“. Dabei ist es da schon längst passiert: Frauen werden misstrauisch, manche ängstlich, manche machen sich unsichtbar.“ – E13

„Zumal viele der getwittereten Anekdoten sozusagen zum “Minisexismus” zählen. Dieser ist einfach nicht greifbar und darauf angesprochen, können die Verursacher das auch wunderbar runterspielen. Gegenwehr fürht hier auch häufig zu Verspottung, womit wir dann wieder bei #aufschrei wären.“ – Journelle

„Nun ist es so: Ich betrachte mich nicht als Opfer. Ich betrachte mich als Menschen, dem Dinge passieren, die ihm nicht passieren sollten. Dinge, die mir aufgrund meines Geschlechtes passieren. Dinge, bei denen ich im ersten Moment oft sprachlos bin, nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich nicht fassen kann, dass sich ein anderer Mensch so etwas trauen könnte.“ – Natalie

„So lange “nichts” (also alles unterhalb einer “echten” Vergewaltigung) passiert ist, vergessen, verdrängen, nicht zu lange damit beschäftigen. Ansonsten: ausweichen, aufpassen, vorsichtig sein. Nachvollziehbar im Einzelfall, aber es zementiert gesellschaftliche Verhältnisse, gegen die jetzt erstmals wirklich protestiert wird.“ – Dr. Mutti

„Denn erst als der Minister Hahn (Hessen) und andere über den Tabubruch schwadronierten (wobei sie merkwürdigerweise nicht den Tabubruch Brüderles meinten sondern den Tabubruch der Journalistin), kanalisierte sich der Zorn. Denn genau diese Reaktionen sind es, die den Kern des Alltagssexismus in diesem Land ausmachen. Derailing – Ablenkung.“ – haltungsturnen

„Die wichtigste Erkenntnis aus der Aufschrei-Debatte fand ich: Es geht nicht darum, sich selbst als Opfer zu stilisieren, sondern zu zeigen, dass Übergriffe der verschiedensten Art ganz einfach zum Alltag der meisten Frauen gehören. Dass es fast schon so “normal” ist, dass viele Frauen sich daran gewöhnt haben, dass es einigen schon gar nicht mehr auffällt und sie die meisten Vorfälle verdrängt haben.
Wer in dieser Debatte dann die “Befreit euch selbst aus eurer Opferrolle”-Keule rausholt, ist nur noch einen Schritt entfernt vom “Opfer-Abo” von Kachelmann.“ – happy schnitzel

„4. Anderer Menschen Grenzen zu überschreiten ist unangebracht.
Es kommt nicht darauf an, ob eine Grenzüberschreitung Absicht war oder nicht, welchen Zweck sie haben sollte oder wie sie gemeint war. Grenzen sind zu achten, wann eine Überschreitung vorliegt, hat nur zu entscheiden, wessen Grenzen es sind und niemand ist in der Pflicht, die eigenen Grenzen von sich aus zu kennzeichnen oder ihre Verletzung zu benennen.“ – zivilschein

„Und hört auf, Frauen als das defizitäre Geschlecht hinzustellen. Wir brauchen keine Kompetenztrainings, um ungelenke Nachfragen von „echten“ Übergriffen zu unterscheiden. Männer sind nicht so blöd, dass sie Grenzen ungewollt überschreiten und sich dann nicht mal dafür entschuldigen.“ – dropthethaught

„Wie sehr mich dein sexistischer Witz trifft, hängt nicht zuletzt von meinen vorangegangenen Erfahrungen ab, meiner momentanen Stimmung, dem Kontext in dem du ihn mir erzählst, die Beziehung, in der du zu mir stehst.“ – frequenzen

So sieht es nämlich aus.

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mit (Blut)Hochdruck ins Wochenende

Januar 18, 2013 at 5:28 pm (Gedanken, Linkalarm, Wir haben die Wahl)

BildAch, es hätte alles so schön sein können: beim entspannten surfen im Netz, mit dem festen Vorsatz, mich nicht aufzuregen, habe ich solch wunderbare Dinge gefunden wie

– den Tagesablauf vom Hunter S. Thompson (das kann doch nicht gesund sein!)

– eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Mediensucht am Beispiel des Lesens (mein armes, überhitztes Frauenhirn unter der Mütze…)

– ein Text, der das beschreibt, was ich auch immer sage 😉 Das gesagte kann man auch sehr gut auf Bücher übertragen -> Übung macht den Meister. Übrigens ist das Lesen auf englisch mit EBooks besonders einfach. Sollte ich ein Wort nicht kennen und erschliesst sich die Bedeutung nicht aus dem Kontext oder lege ich besonderen Wert darauf, genau wissen zu wollen, was es bedeutet, kann ich es markieren und das dictionary erklärt es mir. (Obwohl ich auch mit einer Dromone recht wenig anfangen kann…)

Aber dann fiel mein schweifender Blick auf diese Texte:

– sehr lesenswert: taz: „rape culture: die hässliche Wirklichkeit“, der mir die ekelerregenden Forendebatten zum „Unwort des Jahres“ nämlich „Opferabo“ in Erinnerung rief. Manche Zeitgenossen sind ja anscheinend nicht in der Lage, die Begründung der Jury gedanklich zu verarbeiten.

– dann ging es Schlag auf Schlag: Ein nicht vorbestrafter Mensch wird wegen Körperverletzung, Beleidigung und Landfriedensbruch zu 22 Monaten Haft verurteilt. Das Ganze ohne konkrete Beweise und weil er von seinem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht hat, direkt mal ohne Bewährung.

„Richter Hlavka sagte, er könne daher keine Aussage zum Verhalten des Angeklagten und wie er zur Gewalt steht machen. „Ich kann Ihnen keine günstige Sozialprognose ausstellen“, sagte Hlavka.“

Wenigstens ein paar Journalisten versuchen das Ganze in einen Kontext zu bringen und vergleichen Urteile. „Während am Amtsgericht Dresden ein 36-jähriger Antifaschist aufgrund der Proteste gegen einen der größten Neonazi-Aufmärsche im Jahr 2011 in Dresden zu einem Jahr und zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, bestätigte das Landgericht Dresden eine Verurteilung von fünf Rädelsführern der verbotenen Neonazi-Gruppierung Sturm 34 wegen schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Bewährungs- und Geldstrafen.“

Tja, da weiß man was man hat…

und zu „guter“ Letzt noch der hier:

– „CDU-Fraktionsvize Fuchs: Abgeordnetentransparenz scheitert leider an Excel“ – die Überschrift ist zu schön, die musste so übernommen werden 😉

Was macht der gute Mann wenn er sich jetzt erklären soll? Jap, er schickt die Anwälte los und lässt abgeordnetenwatch.de abmahnen, wäre ja noch schöner wenn das blöde Wahlvolk mal nachfragt, nicht?

Da frage ich mich doch, wie ich fröhlich und guter Dinge ins Wochenende kommen soll und das Seminar in „gewaltfreier Kommunikation“ kann ich auch in die Tonne treten.

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same procedure as last year?

Januar 15, 2013 at 5:54 pm (Beobachtungen, Gedanken, Linkalarm)

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Jaja, das das Jahr ist schon 3 Wochen alt und        so weiter. Aber zu 2012 hat sich so wahnsinnig viel nicht geändert:

unsere Staatsorgane ver……legen Unterlagen zur NSU (die arbeiten da wirklich mit beschlagnahmten Laptops???) und das nennt der Innensenator von Berlin „Transparenz„.* Wenn ich da richtig durchblicke, war es das jetzt mit den Untersuchungsausschuss für Berlin.

Für die Bundesrepublik und Thüringen stehen noch Termine an, da können wir ja mal gespannt sein.

Na dann können die Verfassungsschützer ja wieder die „linksextremen“ Protestierenden beobachten – das muss man sich mal geben!

*woanders sieht Transparenz so aus…

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Ach, was reg‘ ich mich auf. Da haue ich mich lieber mit einem guten Buch aufs Sofa, trinke Kakao und sammel Kraft für den Rest des Jahres und meinen Serien- und Kinomarathon.

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