Wahlk(r)ampf

September 18, 2013 at 4:27 pm (Wir haben die Wahl)

fuck_you*

Gestern fiel mir dieser passende Text von Ninia laGrande in die Timeline (Danke, Michi) in welchen sie genau das ausdrückt, was mich am Wahlgedöns der letzten Wochen so stört.

„Wunderbar,“ könnte ich sagen. „Verlinkst Du und fertich is.“ Aber dann fing ich doch an noch ein wenig nachzudenken.

Warum stört mich dieser „Wahlkampf“ so?

Warum macht es mich auch so müde?

Warum ist die CDU so erfolgreich?

und warum ist ein „wortloses Interview“ bei dem eine Frage mit einer sehr deutlichen Geste beantwortet wird, eigentlich ein solches Drama?

 

Naja, in Deutschland sind über 1/4 der Menschen über 60 Jahre alt. Gerade älteren Menschen fällt es schwer, sich an neue Dinge zu gewöhnen, sich mit anderen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Sie möchten oft das Gewohnte beibehalten und Sicherheit haben. Ausnahmen gibt es natürlich, aber auch hier macht es die Masse…
Die Regierung Merkel kennt man ja schon einige Zeit und viel verändert hat sie auch nicht, auf sie kann man sich verlassen. Sicherheit wird dort außerdem ganz groß geschrieben.

Und dann kommt dieser Herausforderer, der genau weiß, dass er bei den Älteren nichts reissen kann, weil er etwas anders machen will (?), nicht Frau Merkel ist und außerdem ein Polterer. Wo kann er also noch Stimmen holen?

Bei den anderen, den Erstwählern (circus halligallis Zielgruppe) und bei den Unzufriedenen (da bietet sich jene Geste gut an)…

Das stört natürlich die „fünf alten, weißen Männer mit einem alten, weißen Moderator“ (nochmal Ninia) und das „eigentlichgehtesunsgutaberirgedwieauchnicht“ oder „allesistbeschissenaberwirtunliebernix“-Deutschland ganz extrem.

 

Leute, die Landtagswahl in Bayern hat mir wieder eines gezeigt: über den eigenen Tellerrand schauen und mal Probleme in Angriff nehmen, die seit Jahren im Hintergrund schwelen, ist nicht des Wählers Ding. Was im Wahlkampf vergessen wurde. 

Achso: und auch wenn der Peer durchaus Geschmack hat, die SPD bekommt meine Stimme nicht; den Fehler habe ich ein Mal gemacht…

Wahlempfehlung: folgt Eurem Gewissen!
Wahlempfehlung 2: Bevor ihr ungültig wählt, die Partei verspricht wenigstens weniger Langeweile

Willkommen in der Postdemokratie!

 

 

*(das Foto ist alt, dennoch passend und wird somit recycelt)

Advertisements

Permalink Schreibe einen Kommentar

mit (Blut)Hochdruck ins Wochenende

Januar 18, 2013 at 5:28 pm (Gedanken, Linkalarm, Wir haben die Wahl)

BildAch, es hätte alles so schön sein können: beim entspannten surfen im Netz, mit dem festen Vorsatz, mich nicht aufzuregen, habe ich solch wunderbare Dinge gefunden wie

– den Tagesablauf vom Hunter S. Thompson (das kann doch nicht gesund sein!)

– eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Mediensucht am Beispiel des Lesens (mein armes, überhitztes Frauenhirn unter der Mütze…)

– ein Text, der das beschreibt, was ich auch immer sage 😉 Das gesagte kann man auch sehr gut auf Bücher übertragen -> Übung macht den Meister. Übrigens ist das Lesen auf englisch mit EBooks besonders einfach. Sollte ich ein Wort nicht kennen und erschliesst sich die Bedeutung nicht aus dem Kontext oder lege ich besonderen Wert darauf, genau wissen zu wollen, was es bedeutet, kann ich es markieren und das dictionary erklärt es mir. (Obwohl ich auch mit einer Dromone recht wenig anfangen kann…)

Aber dann fiel mein schweifender Blick auf diese Texte:

– sehr lesenswert: taz: „rape culture: die hässliche Wirklichkeit“, der mir die ekelerregenden Forendebatten zum „Unwort des Jahres“ nämlich „Opferabo“ in Erinnerung rief. Manche Zeitgenossen sind ja anscheinend nicht in der Lage, die Begründung der Jury gedanklich zu verarbeiten.

– dann ging es Schlag auf Schlag: Ein nicht vorbestrafter Mensch wird wegen Körperverletzung, Beleidigung und Landfriedensbruch zu 22 Monaten Haft verurteilt. Das Ganze ohne konkrete Beweise und weil er von seinem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht hat, direkt mal ohne Bewährung.

„Richter Hlavka sagte, er könne daher keine Aussage zum Verhalten des Angeklagten und wie er zur Gewalt steht machen. „Ich kann Ihnen keine günstige Sozialprognose ausstellen“, sagte Hlavka.“

Wenigstens ein paar Journalisten versuchen das Ganze in einen Kontext zu bringen und vergleichen Urteile. „Während am Amtsgericht Dresden ein 36-jähriger Antifaschist aufgrund der Proteste gegen einen der größten Neonazi-Aufmärsche im Jahr 2011 in Dresden zu einem Jahr und zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, bestätigte das Landgericht Dresden eine Verurteilung von fünf Rädelsführern der verbotenen Neonazi-Gruppierung Sturm 34 wegen schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu Bewährungs- und Geldstrafen.“

Tja, da weiß man was man hat…

und zu „guter“ Letzt noch der hier:

– „CDU-Fraktionsvize Fuchs: Abgeordnetentransparenz scheitert leider an Excel“ – die Überschrift ist zu schön, die musste so übernommen werden 😉

Was macht der gute Mann wenn er sich jetzt erklären soll? Jap, er schickt die Anwälte los und lässt abgeordnetenwatch.de abmahnen, wäre ja noch schöner wenn das blöde Wahlvolk mal nachfragt, nicht?

Da frage ich mich doch, wie ich fröhlich und guter Dinge ins Wochenende kommen soll und das Seminar in „gewaltfreier Kommunikation“ kann ich auch in die Tonne treten.

Permalink Schreibe einen Kommentar

Freude und Schadenfreude

September 19, 2011 at 7:13 am (Wir haben die Wahl)

 

In Berlin wurde gewählt und das Wahlergebnis macht mit Freude (… und das an einem Montag zu einer noch einstelligen Uhrzeit).

 

Christian Sickendieck hat es so schön zusammengefasst:

„Klaus Wowereit bleibt unter 30% — er ist ein Wahlverlierer.

Renate Künast wollte Bürgermeisterin werden — sie ist eine Wahlverliererin.

Die CDU jubelt über gut 20% — sie ist eine große Wahlverliererin.
Die FDP ist nunmehr siebtstärkste Partei — sie ist die größte Wahlverliererin.
Lange Gesichter bei der Linken — sie ist eine Wahlverliererin.

Die Piraten sind die einzigen Wahlgewinner des heutigen Abends.“

sehr lesenswert!

Via nerdcore habe ich den hier gefunden: Leitartikelbingo und was passiert?  Bei SpiegelOnline ein Treffer. Häh? 1 Treffer – das verwirrt.

Aber heute ist auch noch „Talk like a pirate“-Day. Schön!

Und dann war da ja noch die FDP (als ich ganz klein war, harren die es glaube ich mal so mit Bürgerrechten, Freiheit und so).

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen… Fast macht es ja keinen Spaß mehr, sich über die FDP lustig zu machen – aber eben nur fast.

Permalink Schreibe einen Kommentar

Innenminister: waren die vorher auch schon so?

Mai 30, 2011 at 9:15 pm (Beobachtungen, Wir haben die Wahl)

Der gute  Herr Friedrich reiht sich mit seiner Polemik, wenn nicht Propaganda über „linksradikale Fundamentalisten“ perfekt in die Reihe der Innenminister, die ich bis jetzt erlebt habe, ein:

Es fängt an mit Herrn Kanther, der den Einsatz der Bundeswehr im Inneren forderte,  in die CDU-Spendenaffäre verwickelt war und nun vorbestraft ist…

Darauf war Herr Schily, einst Anwalt von RAF-Leuten, Innenminister und er folgte Kanther darin, dass die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden soll, weil der Terror auch aus dem Inneren kommt… Zwischendurch leistete er sich auch sowas

Dann Herr Schäuble, jetzt Minister für Finanzen, welcher (man höre und staune) für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren plädierte. Und sich zudem einiges leistete…

Später kam Herr deMazière, der mir als relativ normal (für Innenminister)  vorkam, die üblichen Ausfälle sind anscheinend ja die Standarteinstellung für Politiker… dieser Mann verteidigt uns ja ja nun, schade!

und dann kam Herr Friedrich, gezwungenermaßen aus der CSU und haut einfach und ungestraft sowas raus…

———————————————————–

Herr Friedrich,

als linksliberale Fundamentalistin frage ich Sie: „Sagt Ihnen der Begriff „Rechtsstaat“ etwas? Können Sie was mit Freiheit anfangen“

nur ne Frage vom muetzenmaedel

noch ein interessanter Link

Permalink Schreibe einen Kommentar

kumulieren und panaschieren (Kommunalwahl 2011)

Februar 17, 2011 at 8:05 pm (Wir haben die Wahl)

Demnächst stehen in Hessen die Kommunalwahlen an und zur seelisch-moralischen Vorbereitung wurden Musterwahlzettel verschickt. Diese luden zu kreativen und lustigen Ideen ein. Immerhin wollen die 71 Stimmen gut verteilt werden…

dann ein kreativer Vorschlag, der hier exemplarisch umgesetzt wurde:

Also, wer seinen Musterwahlzettel auch kreativ be- oder verarbeiten will, ich bin für Fotos sehr dankbar. Schnappt Euch einen Stift und nutzt diese Möglichkeit zum Üben

(solltet ihr in Hessen sowas im Wahllokal aus Protest machen, achtet bitte darauf, dass alle Wahlscheine, die unter 72 Einzelstimmen haben, gezählt werden)

Permalink Schreibe einen Kommentar